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Paradies
Grönauer Paar tauchte ab in ein neues
Paradies
Dieser Bericht stand am Sonntag, 27. Juni 2010 in den
Lübecker Nachrichten, Lauenburger Ausgabe.
Viel Spaß beim Lesen - Roland & Renate
Grönauer Paar tauchte ab in ein neues
Paradies
Korallenbänke und exotisches Leben auf dem
Lande in Indonesien, das werden Renate und Roland Kraft bei ihrer
Diaschau zeigen. Foto: HFR/Wiemer

Groß Grönau - Das Taucherpaar Renate und Roland Kraft sind abgetaucht
in eine paradiesische Unterwasserwelt
vor einer indonesischen Insel - und haben tolle Bilder mitgebracht.
Sie können es nicht lassen, es zieht sie immer wieder hinaus in ferne
exotische Welten, in die sie sprichwörtlich abtauchen. Seit fast 30
Jahren sind Renate und Roland Kraft nun schon dieser Passion verfallen:
neue kleine Unterwasserwelten zu entdecken und auf Fotos festzuhalten.
Ihr jüngster Fund, 48 Stunden von ihrem Haus in Groß Grönau entfernt,
liegt vor den Stränden einer kaum touristisch erschlossenen Insel
Indonesiens namens Bujat Bay. Ein Geheimtipp führte sie zu diesem Ort,
den die meisten anderen Tauchbesessenen bislang eher gemieden haben.
Wegen der Unwegsamkeit der Wege dorthin, der spartanischen Unterkünfte,
vor allem aber wegen der beängstigenden Geschichten um eine
stillgelegte Goldmine, die Mensch und Tier der gesamten Region
belastete.
Die Krafts ließen sich nicht abschrecken, nahmen lebensgefährliche
Jeep-Fahrten in Kauf und erkundeten ein Tauchrevier, das noch gar
keines ist. Ein Abenteuer, das sich lohnte. „So etwas wie dort haben
wir noch nie gesehen“, schwärmt Roland Kraft noch Monate danach.
Gewaltige unberührte Korallenbänke und seltenste Fische waren der Lohn
für die Strapazen in diese unbekannte Wasserwelt. Mit seiner Frau
Renate stellt der erfahrene Unterwasserfotograf dieser Tage eine neue
Dia-Schau zusammen, die am 30. Juli im Lübecker Domhof um 22 Uhr unter
hoffentlich sommerlich freiem Himmel gezeigt wird.
Die Geschichte des Taucher-Geheimtipps Bujat Bay hat etwas Skurriles.
Die kleine Bucht erlangte in den 90er Jahren große Bedeutung wegen der
Goldvorkommen. 1000 Menschen hatten ein Auskommen durch die Arbeit im
Abbau. Die Folge aber waren Krankheiten und Umweltbelastungen durch
giftige Abbauchemikalien, die einfach in die Umgebung und ins Meer
geleitet wurden. Der gefährliche Goldabbau wurde 2004 stillgelegt, die
Scheu Fremder vor dieser Region blieb. Prächtig gediehen waren aber
Flora und Fauna unter Wasser.
Das Grönauer Paar, das bereits alle bedeutenden Tauchreviere der Welt
erkundet und fotografisch festgehalten hat, erlebte an diesen Küsten
Nord Sulawesis aber nicht nur faszinierende Welten unter Wasser,
sondern auch an Land. Deshalb werden bei der neuen Dia-Schau auch
Nicht-„Tauch-Freaks“ auf ihre Kosten kommen. Es gibt Einblicke in das
erschreckend einfache Leben der Einheimischen, die unter widrigsten
Bedingungen ein ärmliches Dasein fristen – und dabei stets ein Lächeln
im Gesicht tragen. Viele dieser Menschen überleben nur durch die paar
Cent, die sie durchs Goldschürfen auf eigene Faust in engsten Stollen
mit bis zu 100 Meter Tiefe verdienen.
„Wir zeigen auch Bilder von Menschen in einem Elend, die davon gar
nichts wissen, weil sie nichts anderes kennen“, sagt Renate Kraft.
Dagegen sei ihre Unterkunft noch geradezu komfortabel gewesen, obwohl
die meisten Touristen wohl um so etwas wie ehemalige
Minenarbeiter-Camps als Hotel einen großen Bogen gemacht hätten: „Statt
vier Sterne gab es bei uns ein Loch im Dach“, lacht Renate Kraft. Die
Dia-Schau wird in Zusammenarbeit mit dem Lübecker Museum für Natur und
Umwelt präsentiert.
Matthias Wiemer