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Die Fledermausfisch-Geschichte
Erzählung einer wahren Begebenheit, erlebt auf der Insel Velavaru, Malediven
Es war einmal auf den Malediven. Mit dem Dohni wurden wir zum Tauchplatz gebracht.
Um ungestört fotografieren zu können, sind wir zunächst in die
entgegengesetzte Richtung getaucht. Jedoch bot das Riff keine guten
Fotomotive. Gerade in dem Moment als wir umkehren wollten, kamen uns
mehrere Fledermausfische entgegen geschwommen. Sie drehen jedoch gleich wieder um und schwammen, was ungewöhnlich ist, ins Freiwasser hinaus.
Wir waren neugierig geworden und folgten den Fledermausfischen. Das Riff hinter uns war kaum noch zu sehen, da erkannten wir vor uns einen großen Solitärfelsen in 35 Meter Tiefe.
Das war die „Heimat“ der Fledermausfische. Ein Schwarm von mehr als 30 Tieren kam neugierig auf uns zu.
Wir konnten uns den Fischen bis auf wenige Zentimeter nähern, es schien als hätten sie uns als Ihresgleichen anerkannt und wir konnten in aller Ruhe fantastische Fotos schießen.
Es dauerte jedoch nicht lange, da riss uns der Tauchcomputer aus
unserem Rausch. Er hatte bereits Dekompressionszeit signalisiert
und so mussten wir uns schweren Herzens von diesem traumhaften Ort
verabschieden.
Doch damit nicht genug: Als wollten uns die Fledermausfische sicher zurückbringen, schwammen sie noch so lange mit uns mit, bis wir das eigentliche Riff wieder erreicht hatten.
Dann ließen sie uns mit unseren beeindruckenden Erlebnissen allein, und kehrten zurück in ihre „Heimat“.
Renate und Roland Kraft
Der müde Oktopus (Tintenfisch)
Erzählung einer wahren Begebenheit, erlebt auf der Insel Bonaire, Karibik
Mehr als drei Wochen lang haben wir jeden Tag zwei Tauchgänge unternommen und so ziemlich alle markierten Tauchplätze erkundet.
Deshalb entschieden wir uns, einen „Abenteuertauchgang“, irgendwo entlang der Hafenpromenade, zu unternehmen.
Wie immer hatten wir beide Kameras dabei, eine mit einem Makro-Objektiv, die andere mit einem Fisheye-Weitwinkel-Objekitv.
In nur 5 Meter tiefem Wasser entdeckten wir schon bald einen
„Segelflossen-Blenny“, der aus seinem Unterschlupf emporschnellte,
seine Rückenflosse auf und nieder wippte, um Sekunden später wieder im
seinem Loch zu verschwinden.
Um diese tolle Situation mit der Kamera festzuhalten, legten wir uns in
gebührendem Abstand in den Sand und warteten auf den nächsten „Tanz“
des Blennies.
Das Gehäuse mit dem Weitwinkel-Objektiv legten wir neben uns in den Sand.
Wie wir so mit dem Meeresgrund verschmolzen, kam auf einmal eine
neugierige Flunder angeschwommen, die sich wohl sehr über diese neuen
Meeresbewohner wunderte.
Es dauerte gar nicht lange, da kam ein sonst sehr scheuer Pufferfisch
an, umkreiste uns, schaute uns in die Taucherbrillen und knabberte
vorsichtig an Renates Fingern. Das war ein komisches Gefühl!
Plötzlich kam über den Grund ein Oktopus anspaziert. Zuerst versuchte
er sich auf Renates Tarierweste zu setzen, doch diese schien ihm nicht
zu gefallen.
Deshalb wanderte er direkt auf das neben uns platziert Kameragehäuse
zu, umschlang es vorsichtig mit seinen acht Armen, schloss seine Augen
und schlief auf der Stelle ein.
Oh, was haben wir über diese lustige Situation gelacht!
Schnell haben wir mit der Makrokamera ein paar Bilder geschossen, um diese ungewöhnliche Situation festzuhalten.
Aber was macht man nun mit einem schlafenden Oktopus auf dem Kameragehäuse?
Wir versuchten ihn vorsichtig auf einen Stein zu setzen, aber ohne
Erfolg. Wir trugen ihn eine Weile durch die Gegend, was ihn auch nicht
störte. Schließlich streichelten wir ihn ganz sachte und endlich
entschied sich der Oktopus zu einem Standortwechsel in den Sand,
wobei er sich farblich schnell der neuen Umgebung anpasste.
Wir beendeten diesen außergewöhnlichen Tauchgang mit dem schönen
Gefühl, ein Teil dieser faszinierenden Unterwasserwelt gewesen zu sein.
Renate & Roland Kraft
Fressen und gefressen werden oder fressen und gerettet werden
Erzählung einer wahren Begebenheit, erlebt auf der Insel Bonaire, Karibik
Es war früher Nachmittag, und wir entscheiden uns für den Tauchplatz
„Something Special“ in der Nähe des „Harbour Village Jachthafens“. Dort
ist zu jeder Zeit ein buntes abwechslungsreiches Fischtreiben zu
beobachten.
Nur wenige Meter vom Einstieg entfernt sahen wir einen großen
Eidechsenfisch, der ,wie zur Jagd üblich, gut getarnt im Sand
lag. Jedoch in seinem Maul steckte ein Gelbflossen Mojarra.
Leider hatte der Eidechsenfisch den Fehler begangen, seine Beute mit
dem Schwanz voran zu verschlucken. Der Mojarra hatte instinktiv seine
Brustflossen abgespreizt, so dass der Eidechsenfisch ihn nicht
vollständig verschlucken konnte.
Normalerweise sterben beide Fische.
Wir folgten dem Eidechsenfisch eine ganze Weile und fotografierten ihn von allen Seiten.
Wir fühlten aber auch, dass er allmählich müde wurde.
Auf einmal kam eine hungrige Grüne Muräne angeschwommen und versuchte,
sich einen der Fische, oder am liebsten gleiche beide, als fette
Mahlzeit zu schnappen.
Aber der Eidechsenfisch konnte in letzter Sekunde flüchten.
Plötzlich attackierten ihn zwei große Gelbschwanz Schnäpper, und
während eines Angriffs bekam ein Schnäpper den Gelbflossen Mojarra zu
fassen und zerrte ihn aus dem Maul des Eidechsenfisches.
Der Mojarra, glücklich befreit worden zu sein, flüchtete in Richtung Wasseroberfläche.
Der Schnäpperfisch folgt seiner vermeintlichen Beute, jedoch ohne Glück. Der Mojarra konnte entkommen.
Zwischenzeitlich begann der Eidechsenfisch sein arg gedehntes Maul
wieder einzurenken und vollführte eine richtige „Maulgymnastik“, wohl
wissend, dass er schon bald wieder neue Beute jagen würde.
Durch dieses Erlebnis wurde uns bewusst, dass der Jäger nicht nur den
Tod bringen muß, sondern dass gelegentlich auch der Jäger vor dem
sicheren Tod gerettet werden muß.
Renate & Roland Kraft